Petrichor – Warum der Regen so gut riecht

Petrichor – Warum der Regen so gut riecht


Du kennst das: Es hat ewig nicht geregnet. Die Erde ist trocken, die Pflanzen lassen die Blätter hängen, der Schlauch ist schon wieder irgendwo verknotet – und dann kommt endlich der Regen. Die Tropfen klatschen auf den Boden und noch bevor alles richtig nass ist, liegt dieser Geruch in der Luft. Erdiger Frischeduft. Irgendwie beruhigend. Irgendwie lebendig.


Das ist Petrichor. Und nein, das ist kein Parfum, sondern Naturwissenschaft.

Woher kommt dieser Duft?

Der Begriff Petrichor wurde 1964 von zwei australischen Forschenden geprägt – Isabel Joy Bear und Richard G. Thomas. Sie haben das Phänomen untersucht, das viele von uns kennen, aber kaum erklären konnten: Warum riecht es nach Regen, bevor eigentlich richtig geregnet hat?

Die Antwort: Es ist ein chemisches Zusammenspiel aus:

  • Ölen von Pflanzen, die sich in Trockenzeiten auf Oberflächen ablagern – auf Steinen, auf Erde, auf Wegen.
  • Geosmin, einer Substanz, die von Bodenbakterien (genauer gesagt: Aktinobakterien) produziert wird – und für diesen typischen „feuchten Erdgeruch“ verantwortlich ist.
  • Ozon, das bei Gewitterregen von atmosphärischen Entladungen entstehen kann und der Luft einen leicht scharfen, fast metallischen Ton verleiht.

Wenn die ersten Regentropfen auf den ausgetrockneten Boden treffen, passiert Folgendes:

Die Tropfen zerplatzen beim Aufprall, reißen winzige Bläschen mit sich, die in die Luft steigen – quasi Mini-Duftballons mit Geosmin und Pflanzenöl drin. Diese Aerosole erreichen unsere Nasen – und lösen Erinnerungen, Emotionen oder einfach nur ein tiefes „Aaah“ aus.


Warum wir Petrichor lieben

Die meisten Menschen empfinden diesen Geruch als angenehm – sogar extrem angenehm. Und das ist kein Zufall:

Unser Gehirn reagiert empfindlich auf Geosmin – vermutlich, weil es für unsere Vorfahren ein wichtiges Signal war. Der Duft bedeutete: Wasser ist in der Nähe. Und wo Wasser ist, da ist Überleben.

Petrichor wirkt also wie eine Art aromatisches Erbe – tief in uns verankert.
Ein Geruch, der Entspannung bringt, weil er etwas Ur-Altes anklingen lässt.


Kann man Petrichor im Garten „herstellen“?

Jein. Du kannst ihn nicht konservieren – aber du kannst die Bedingungen schaffen, unter denen er besonders intensiv wird:

  • Ein gesunder Boden mit reichlich Mikroorganismen (z.B. durch Kompost, Mulch, keine Chemie) produziert mehr Geosmin.
  • Naturbelassene Materialien wie Steine, Rindenmulch oder unbehandeltes Holz nehmen Öle auf – und geben beim Regen mehr Duft ab.
  • Viel Grün heißt viele ätherische Öle – Kräuter wie Thymian, Salbei oder Rosmarin geben bei Regen noch einen Extrakick.
  • Keine versiegelten Flächen – Asphalt riecht nach Regen höchstens heiß und staubig.

Und natürlich: Geh nach draußen. Sei da, wenn es passiert. Nicht am Fenster. Im Garten. Barfuß, wenn’s geht. 🌧️


Und jetzt?

Petrichor ist ein Duft, der kein Luxus ist – sondern ein Geschenk. Du bekommst ihn einfach so, wenn du dich ein bisschen erdest. Wenn du mit den Pflanzen lebst, mit dem Wetter atmest, mit dem Garten in Verbindung bleibst.

Und mal ehrlich – wenn ein Bakterium im Boden so riecht, dass uns das Herz aufgeht … wie cool ist das bitte?


Möchtest du den Duft mal richtig wahrnehmen?

  1. Geh raus kurz bevor’s anfängt zu regnen.
  2. Atme tief ein, wenn die ersten Tropfen auf Erde, Stein oder Laub fallen.
  3. Sag laut oder leise: „Hallo Petrichor. Du hast gefehlt.“
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